Station 1: Streuobstwiese Langenfelsweg - Bestäubung und Befruchtung

Das Thema Bestäubung und Befruchtung haben wir bewusst vor der Streuobstwiese am Langenfelsweg postiert.

2013/2014 hat die Kolpingsfamilie Willich 218 Hochstammbäume in der gesamten Stadt Willich gepflanzt.

Streuobstwiesen sind wichtige Rückzugsorte für Insekten. Streuobstwiesen bieten auch Steinkäuzen wichtige Lebensräume. Daher finden Sie hier weitere Informationen zu diesen Themen:

Station1 Bestäubung Tafel
Den Römern sei Dank - Zur historischen Entwicklung des Streuobstanbaus

Die Anfänge des Obstbaus reichen in die Urzeit zurück, als Wildformen von Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume und Walnuss genutzt wurden. Die Römer brachten den Obstbau vor 2000 Jahren mit Kulturformen nach Deutschland. Damals entstanden erste Obstgärten am Rande der römischen Villen. Nachdem die „Barbaren“ im dritten bis fünften Jahrhundert das Römische Reich teils in Schutt und Asche legten, teils Traditionen der Römer fortführten, gab es erst mit Karl dem Großen wieder einen Aufschwung beim Obstbau in dessen Reich zwischen Pyrenäen, Alpen, Elbe und Dänemark. Er schrieb sogar vor, welche Obstarten in seinen Gütern gepflanzt werden sollten. In den folgenden Jahrhunderten waren es in West- und Mitteleuropa insbesondere die Klöster und Mönche, die durch einen internationalen Tauschhandel die Sortenvielfalt und das Wissen um Okulieren und Pflege bewahrten und weiterentwickelten.

Erst ab dem 16. Jahrhundert entstanden in Teilen des heutigen Deutschlands „Streuobstwiesen“, also nennenswerte Anpflanzungen von Hochstamm-Obstbäumen. Als Standorte dienten damals weitgehend die gärtnerischen Anlagen rund um Städte und Dörfer. Für das württembergisch-schwäbische Bad Boll ist 1598 in lateinischer und 1602 in deutscher Sprache durch Jakob Bauhinus die Dokumentation von über 50 Apfel- und 34 detailliert beschriebenen Birnensorten nebst zahlreichen weiteren Obstarten belegt. Im 30jährigen Krieg wurden Obstbäume häufig gezielt vernichtet, da hiermit eine wichtige Nahrungsgrundlage der feindlichen Bevölkerung auf Jahrzehnte zerstört wurde.

Nach ersten „landesherrlichen Edikten“ im 17. Jahrhundert erfolgte im 18. und 19. Jahrhundert die weite Ausbreitung des Streuobstbaus in klimatisch günstigen Gebieten - häufig auf herrschaftlichen Zwang hin. Obstbaumpflanzungen wurden entlang von Wegen, an Äckern und in Weinbergen vorgenommen. Zunächst gab es regelrechte „Baumäcker“ mit zusätzlichem Anbau von Getreide und Hackfrüchten unter den Obstbäumen. Erst als unter den Bäumen nur noch einfache Grünlandnutzung stattfand, entwickelten sich die Streuobstwiesen im heutigen Sinn. Das Wort „Streuobstwiese“ stammt allerdings erst aus dem Jahr 1975, als die naturschutzfachliche Bedeutung dieses Lebensraumes insbesondere für Vogelarten erkannt wurde.

Die weiteste Verbreitung des Streuobstbaus in Deutschland wie in Europa gab es zwischen 1930 und 1955. Rund 1,5 Millionen Hektar in Deutschland und wohl über fünf Millionen Hektar in Europa - landschaftsprägend wie wenige Kulturlandschaften sorgten sie schon bei Goethe für Begeisterung von blühenden „Obstbaumwäldern“. Damals fand eine sehr intensive Nutzung der Streuobstbestände statt, mit hohem Einsatz sowohl an Personal wie an Bekämpfungsmitteln gegen Insekten und Pilze.

Heute gelten die Streuobstgürtel um die Dörfer und Städte, die Alleen in den neuen Bundesländern und die flächigen Bestände beispielsweise im Vorland der Schwäbischen Alb, des Odenwaldes und des Schwarzwaldes als touristische Attraktionen mit hohem ästhetischem Wert. Höhepunkt ist die Obstblüte, die ganzen Landschaften einen einzigartigen Reiz und einen bedeutenden Erholungswert verleiht. Nur wenige Biotope machen die enge Vernetzung von Natur, Landschaft, Kultur und Ernährung so deutlich wie die Streuobstwiesen. Als Kulturlandschaft sind ihre traditionellen Nutzungsformen vorbildlich an Boden, Klima und Gelände angepasst. Ihre nachhaltige Nutzung dient nicht nur der Produktion gesunder Nahrungsmittel – häufig auch für Obst-Allergiker –, sondern befördert zudem eine langsame Grundwasserbildung, schützt vor Erosion an Hanglagen und dient der Frischluftproduktion.

Spaß und Genuss kommen dank knackigem Obst, naturtrübem Apfelsaft oder deftigem Obstbrand nicht zu kurz. Heute schlägt diese traditionelle Kulturform Brücken sowohl in die Vergangenheit zu althergebrachten, aber bewährten landwirtschaftlichen Nutzungsformen, als auch in die Zukunft mit Perspektiven für die Biologische Vielfalt unserer Heimat.

Was ist Streuobst?

Für den Naturschutz sind die Streuobstbestände wahre Paradiese für bedrohte Arten. Mit zwei- oder maximal dreimaligem Mähen, ggf. naturverträgliche Beweidung, ohne Einsatz synthetischer Pflanzenbehandlungsmittel bieten sie einer enormen Vielfalt an Vögeln, Insekten und Pflanzen eine Heimat. Solch wertvolle Naturräume bleiben uns nur erhalten, wenn naturverträgliches Wirtschaften der Bauern wie Baumpflegeschnitt, Neupflanzungen und Mähen entsprechend honoriert wird, indem Verbraucher angemessene Preise bezahlen. Unser Kaufverhalten entscheidet daher mit, ob landestypische Kulturlandschaften erhalten bleiben.

Die häufigste Anlageform ist die Streuobstwiese, bei der hochstämmige Obstbäume auf Wiesen, Weiden oder Mähweiden stehen. Nach NABU-Schätzungen existieren bundesweit rund 300.000 Hektar Streuobstbestände, davon über 95 Prozent Streuobstwiesen. Andere Streuobstbestände sind flächenhafte Anpflanzungen von Hochstamm-Obstbäumen auf ackerbaulich oder gärtnerisch genutzten Flächen, sogenannte Streuobstäcker. Diese waren Anfang des 20. Jahrhunderts insbesondere auf ehemaligen Weinbaulagen weit verbreitete und kommen heute nur noch im südlichen Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Franken und Südbaden vor. Auch hochstämmige Obstalleen an Feld- und Fahrwegen (Straßenobst), in Hausgärten oder hochstämmige Einzelbäume in der freien Landschaft gehören zum Streuobstbau.

In ihrer Vielfalt der Anbauformen sind Streuobstbestände prägender Bestandteil der mitteleuropäischen Kulturlandschaften, vergleichbar agroforstwirtschaftlichen Anbausystemen Südeuropas wie die iberischen Dehesas, Oliven- oder Mandelhainen. Für die mitteleuropäische Biodiversität spielen Streuobstbestände mit über 5.000 Tier- und Pflanzenarten sowie über 3.000 Obstsorten eine herausragende Rolle. Charakterarten sind Steinkauz, Wendehals und Grünspecht.

Gefährdet waren Streuobstbestände in den 1950er bis 1970er Jahren durch teils öffentlich geförderte Rodungen, die meist die Umwandlung in niederstämmige Monokulturen zum Ziel hatten. Heutzutage sind Streuobstbestände direkt am stärksten durch Bebauung, in Ballungsräumen durch Intensivierung in Gartengrundstücke mit englischem Rasen, Zäunen, Hütten und Nadelbäumen sowie in ländlichen Räumen durch Nutzungsaufgabe gefährdet. Ursache hierfür ist die häufig mangelnde Rentabilität des Streuobstbaus im Vergleich zu den rationeller zu bewirtschaftenden Niederstamm-Anlagen. Dies gilt insbesondere für den Tafelobstbau. Bei der Direktvermarktung von Saft und der Kleinbrennerei war und ist die Streuobst-Bewirtschaftung vergleichsweise rentabel.

Seit Anfang der 1980er Jahre bemühen sich Naturschützer, Landwirte, öffentliche Hand und Keltereien vermehrt um Schutz und Förderung der Streuobstbestände in Deutschland. Motivation hierfür sind die Bedeutung des Streuobstbaus für Landschaftspflege und Naturschutz, als Kulturgut und als Erwerbszweig sowie für Naherholung und Tourismus. Die getrennte Erfassung und Vermarktung von Streuobstprodukten bringt einen Marktwert von über 15 Millionen Euro mit sich.

Die Mechanisierung der Ernte mit Lese- und Schüttelmaschinen, insbesondere in der Schweiz und zunehmend auch in Deutschland verbreitet, eröffnet der rentableren Bewirtschaftung neue Möglichkeiten.

Steckbrief: Der Steinkauz
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Der Steinkauz ist die kleinste Eule unter den Eulenarten in Europa. Bei den alten Griechen galt er als der Vogel der Weisheit und als Sinnbild der Göttin Athene, was auch in seinem wissenschaftlichen Namen zum Ausdruck kommt. Er ist einer der entzückendsten Käuze – vor allem wegen seines drolligen Verhaltens. Wenn er mit seinen schwefelgelben Augen neugierig aus seiner Schlafhöhle schaut oder wenn er seine Erregung durch lebhaftes Rufen und sein charakteristisches Klicksen ausdrückt, dann wirkt er wie ein kleiner Kobold. Angesichts der Nahrungs- und Brut Habitats Ansprüche kann der Steinkauz als ausgesprochener Kulturfolger in unserer Landschaft bezeichnet werden.

Kennzeichen:

  • Größe: knapp 22cm
  • Flügellänge:
    • Männchen 152–169 mm
    • Weibchen 156–177 mm
  • Spannweite: 55–60 cm
  • Gewicht: 155–200g

Stimme:

Die Balzrufe des Männchens sind zeitweise schon im Winter wahrzunehmen. Im März / April in der Abenddämmerung sind die Balzrufe deutlich zu hören. Sie bestehen aus einem weichen lang gezogenem „guhk“

Warn und Erregungsruf:

Der Warn und Erregungsruf ist bei beiden Geschlechtern ein grelles durchdringendes „kwiu“ daneben eine Folge von bellenden „kiff oder käff und kurzen „kuitt“ Rufen.

Allgemeine Verbreitung:

Der Steinkauz ist in Westeuropa, in den Ländern um das Mittelmeer quer durch Eurasien bin nach Nordchina und in der Mandschurei verbreitet. Es gibt insgesamt 11 Rassen in der paläarktischen Region.

Brutvorkommen in Europa:

In Mittel-, Süd und Osteuropa – bis Russland (europäischer Teil) – ist der Steinkauz vertreten. Doch meidet er schneereiche Höhenlagen und waldreiche Landschaften.

Verbreitung in Deutschland:

Bei uns ist der Steinkauz ein ziemlich lückenhaft verbreiteter Brutvogel, der in vielen Gegenden recht selten geworden ist, oder völlig fehlt. Sein Bestand hat in den letzten Jahrzehnten überall erheblich abgenommen.

Lebensraum:

Der Steinkauz liebt offenes und ebenes Gelände. Er lebt deshalb bei uns in der Kulturlandschaft auf Äckern und Wiesen mit einzelnen Baumgruppen oder Reihen. Besonders ist er zu finden, wo alte Obstbäume auf Feldern, in Dorfgärten oder an Landstrassen stehen. An hohen Kopfweiden die einen Bachlauf säumen ist er besonders gerne. Geschlossenen Wald meidet er völlig.

Siedlungsdichte und Reviergröße:

Die Siedlungsdichte hängt vom vorhanden sein geeigneter Höhlen und vom winterlichen Klima ab. Allgemein kann man bei entsprechendem Angebot an Brutplätzen mit 1 bis 3 Paaren pro km² rechnen. Das Jagdrevier eines Paares ist stets ziemlich klein, nur etwa einen halben km² groß.

Jagdweise und Ernährung:

Der Steinkauz ist hauptsächlich am frühmorgens und abends aktiv. Er jagt stets im freien Gelände von einem niedrigen Ansitz aus oder auch zu Fuß. Während der warmen Jahreszeit besteht seine Beute aus Insekten (Laufkäfer, Mistkäfer, Ohrwürmer, Raupen, Tausendfüßler, Regenwürmer). An Wirbeltieren frisst er vor allem Feldmäuse, echte Mäuse und wenige Spitzmäuse. Sein täglicher Nahrungsbedarf beträgt etwa 65 Gramm.

An den Plätzen der Tagesruhe findet man die Gewölle des Steinkauzes mit den unverdaulichen Resten der Beutetiere. Es sind rundliche verfilzte Ballen, die nach Abschluss der Magenverdauung nach einigen Stunden durch den Schnabel ausgewürgt werden. Im Sommer besteht sein Gewölle aus vielen Chitinteilen von Käfern. Die Gewölle sind ziemlich schlank und oft lang gestreckt. Sie sind etwa 2-5cm lang und 1,5 cm dick.

Fortpflanzung:

Die Partner eines Paares leben wahrscheinlich in Dauerehe und halten auch außerhalb der Fortpflanzungszeit zusammen. Im März und April finden schon am Nachmittag Begattungen statt.

Legebeginn:

Zwischen Mitte April und Mitte Mai / Meist jährlich nur eine Brut.

Gelegegröße:

Meist 3 bis 5, seltener 6 oder gar 7 Eier / Legeabstand: 1-2 Tage.

Brutbeginn:

Bei Ablage des 1. oder 2. Eies / Brutdauer: 23-35 Tage, im Mittel 27-28 Tage.

Wanderungen:

Im allgemeinen ist der Steinkauz ein „Standvogel“. Er bleibt zeitlebens am erwählten Brutplatz. Nur die selbstständig gewordenen Jungvögel streichen in der Regel nur bis zu 10 km vom Geburtsort entfernt umher, selten weiter.

Höchstalter:

Fast 16 Jahre im Freiland und 18 Jahre in der Voliere.

Sterblichkeit:

Im ersten Lebensjahr sterben ca. 65% der Steinkauze; in späteren Lebensjahren etwa um 30%.

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